2023

Ligurien – Piemont August/September

Samstag, 26. August 2023
Die ganze letzte Arbeitswoche war sowas von heiss und schwül, kaum auszuhalten. Nun, wenn es in Urlaub losgehen soll, kommt eine Regenfront. Das kreisende Genuatief, welches Unwetter bringen soll. Nur gut, unser Ferienmotto heisst so oft: Ab in den Regen ;)! Früh morgens kommen wir erst mal nicht pünktlich aus dem Bett. Die Möpis müssen ja auch noch beladen werden. Vor uns liegen 570 km. Einen Teil davon werden wir über Autobahn und Schnellstrassen fahren, einen Teil durch die Berge. So war auf jeden Fall mal der Plan. Doch es kam anders als gedacht. Wir starten gemütlich und kommen auf wenig befahrener A13 gut voran.

Um Chur herum staut es das erste mal. Das bekannte Nadelöhr, wo man sich für die richtige Spur entschliessen müsste. Geduld ist gefragt. Danach läuft es gemütlich über den San Bernardino. Viele können die breiten Kurven nicht fahren. Vor Chiasso erneut ein bekanntes Chaos. Nicht so wild, irgendwann kommen auch wir über die Grenze. Nun Richtung Milano. Der Himmel über uns verdüstert sich je länger desto mehr. Plötzlich bricht ein Gewaltsgewitter aus. Da fahren wir noch auf offener Autostrada, sehr ungemütlich. Die erste Gelegenheit die sich uns bietet, nutzen wir um von der Strada herunter zu kommen und uns unterzustellen. Wir warten das Schlimmste ab, bevor wir uns wieder auf die Autostrada begeben. Diesmal in Regenjacke.

Wenigstens oben herum geschützt. Unten lief das warme Wasser sowieso schon in die Unterhose. Kaum auf der Autostrada oben, müssen wir bald schon tanken. Wir machen grosse Augen, als wir an der Tanke, nur ein paar wenige Km weiter ankommen. Hier liegen Äste und haufenweise Blätter herum. Das muss ja ganz schön getobt haben. Wie stark das Unwetter war, in das wir gefahren wären, hätten wir uns morgens mehr beeilt, lesen wir in der Zeitung am nächsten Tag. Weit kommen wir nach dem Tanken nicht. Stau auf allen Spuren. Es gibt kaum ein Vorwärtskommen. Schlussendlich brauchen wir für ca. 3 Km 2 Std. Keine Möglichkeit herunter zu kommen. Kein Seitenstreifen vorhanden, um ein wenig vorwärts zu kommen und vor allem, um das Öl in den Motoren kühlen zu können. So kommts wie es musste: Die Maschinen reklamieren mit roten Warndreiecken und möchte nicht weiter fahren. Also mitten auf der Autobahn anhalten und den Ministreifen bei der Leitplanke nutzen, um die Motoren kühlen zu lassen. Gefährlich wurde es nicht, da ja alle nur im Schneckentempo vorwärts kommen und wir gut sichtbar sind. Interessieren tut es, ausser einmal der Autostradameisterei auch niemanden warum wir da mitten auf der Autobahn stehen. Nicht einmal die Nonne und der Priester, die an uns vorbeifahren nehmen ihre Hilfspflicht wahr ;). Irgendwann sehen wir auch, warum es gestaut hat. Ein riesiger Baum ist über die ganzen 3 Spuren der Autostrada gefallen. Hat alles blockiert, sogar die Gegenbahn. Die Leitplanken waren hin. Feuerwehr musste den Baum in Stücke sägen. Danach lief es wieder in gewohntem italienischen Tempo. Am Rande von Milano beenden wir unsere heutige Tour, es wird dunkel. So können wir nicht mehr durch die Berge. Wir sind auch müde und hungrig. Das Autobahnhotel lehnt uns ab, es soll komplett ausgebucht sein. Dies können wir kaum glauben, ist es doch riesig und so viele Autos stehen da nicht auf dem P. Na gut, suchen wir weiter und buchen wohlweislich schnell über booking com ein Zimmer, ganz in der Nähe. Mit Tiefgarage für die Mopeds. Es lohnt sich hier. Ein sehr bequemes Bett und ausserhalb des Hinterhofes gleich ein Platz mit div. kleinen Restaurants. Hier essen und schlafen wir gut.

Sonntag, 27. August
Weiter gehts. Da wir bereits am richtigen Rand von Milano genächtigt haben, können wir von hier weg den Weg über Land nehmen und die Berge anpeilen. Gestartet wird gleich in Regenkleidung. Die Motorradkleider haben über Nacht gut getrocknet, die Handschuhe sind akzeptabel. Unsere Hände einigermassen entfärbt. Das nasse Leder hat darauf seine Spuren hinterlassen. Meine waren komplett violett, Peter mit gelb gemischt, sahen aus wie so starke Nikotinfinger :). Die Strecke ist schön, zu Beginn weg noch alles in der Ebene. Kurven gabs genug, kam doch alle paar 100 m wieder ein Kreisel ;). 2x mussten wir ein wenig unterstehen, wenn das Gewitter wieder zu nah oder über uns war. Sicherheit vor der Zeit. Wir werden bestimmt heute am Ziel ankommen. Einkaufen konnten wir unterwegs auch noch, so müssen wir nicht hungern, je nach Zeit in der wir auf dem Camping sind. Irgendwann werden die Strassen kurviger und schlängeln sich in die Höhe. Die Berge sind da!

Kurviges hinauf und hinunter beginnt. Wir fahren durch 2 wunderbare Schluchten. Durch den Regen riecht es so herrlich würzig in den Wäldern der Berge. Die SS bzw SP586 ist eine Traum-Strecke zum geniessen. Vorsicht war in den Kurven geboten, lagen hier doch ebenfalls viele Blätter und Piniennadeln. Am späten Nachmittag treffen wir in Sestrie Levante ein und das Suchen für unseren Campingplatz beginnt. Die Koordinaten des Campings stimmen nicht korrekt. Den zu finden war so ein wenig tricky. Moneglia liegt direkt an der Küste und ist nach Sestri nur durch einspurige Tunnels befahrbar, die mit Zeiten und Lichtsignal geregelt sind. Jetzt hiess es, immer wieder auf eine Grünphase zu warten. So kams, dass wir erst auf einem falschen Campingplatz gelandet sind. Hier hätten wir unser Gepäck über gefühlte 3 Etagen nach oben tragen müssen. Kein Strand, wie auf den Fotos im Internet. Hier will ich nicht bleiben, lieber noch Zeit in die Suche investieren. Also 1-2 Tunnels zurück und in einer Nische herausfahren. Der nette Herr dort beim grossen P zeigt uns den richtigen Weg. Also nur noch ein paar Meter den Hügel hoch und wir stehen an der richtigen Einfahrt. Auch hier ist der Camping terrassiert, jedoch nur eine Treppe aufs Mal hoch. Wir dürfen mit dem grossen Zelt auf die 1. Etage.

Hier werden wir schön Schatten haben. Das Glück ist heute auf unserer Seite. Das Zelt können wir im Trockenen aufbauen, bevor die nächste Gewitterzelle heranrollt. Essen gehen wir im nahe gelegenen Moniglia. Hier gibts so viele kleine Restis mit unglaublich gutem Essen! Die Nacht ist unruhig, grosse Gewitter mit riesigen Wassermassen ziehen über den Campingplatz. Unser Zelt hält stand und bleibt dicht. Hatten wir doch die kurze Trockenphase noch nutzen können und das norwegische Wundermittel aufgetragen. Fleckig sieht nun unser neues Zelt auch wieder aus, so wie das Alte halt. Aber dafür blieben wir trocken.

Montag, 28. August
Es regnet weiter, aus dem Bett an die Zeltdecke gesehen, bilden sich immer wieder Pfützen, die sich mit einem Schlag ergiessen.

Könnte stundenlang zusehen. Das Geräusch dazu ist irgendwie beruhigend. Doch irgendwie muss man ja trotzdem aufstehen. Vor dem Zelt bildete sich ein See, Peter kratzt Ablaufrinnen in den Boden. Kaffeewasser koche ich unter dem Zelteingang, nur gut gibts hier ein kleines Dach. Frühstück gibts im Zelt innen. Wir sind froh, ist es so gross! Was macht man an so einem Tag, klar, einfach mal ein Faultier sein. Nachmittags bessert sich das Wetter und wir erkunden die Umgebung zu Fuss.

Vom Camping her geht ein kleiner Weg direkt zum Kies/Sandstrand. Hier tummeln sich trotz aufgewühltem Wasser und einigen Brecher wagemutige Surfer. Die Kamera kam gleich mit, so dass wieder ein paar schöne Wellenbrecherbilder entstanden sind.

Abends laufen wir wieder nach Moneglia und spazieren heute genauer durch das Städtchen. Es sieht genauso aus, wie man sich italienische Dörfer vorstellt. Die malerischen Häuser in ihren warmen Farbtönen.

Frauen die in den oberen Stockwerken über x Häuser weit miteinander palavern. Wäschestrippen vor den Fenstern, an denen sogar Wäschestücke hängen. Bei „Mamma mia“ gibts eine leckere Pizza und einen super guten Meeresfrüchtesalat. Kein einziges Stück des Tintenfisches war zäh. Auf dem Rückweg sehen wir uns noch eine Plattform an, bei der wir nachts die Kamera aufstellen können, um ev. Milchstrasse Bilder zu schiessen. So uns der Mond und die Schleierwolken wohlgesinnt sind. Ab morgen Mittag soll das Wetter gut werden. Gute Nacht.

Dienstag, 29. August
Heute müssen die Mopeds arbeiten. Das Wetter ist uns beim Aufstehen schon wohlgesinnt, so dass wir erst aufs Meer staunen müssen und uns über die wunderbaren Smaragdtöne freuen können. Die Sonne scheint und bringt diese zum Vorschein. Berta und Freda scharren schon mit den Rädern. Wir wollen Manarola besuchen. Im 2016 war uns das Wetter ja nicht wohlgesinnt, so dass wir nicht bis zum Städtchen kamen. Heute solls werden. Freuen uns wie Bolle darauf. Für die Mopeds solls ja auch Spass machen, also los über die Berge. Die Strassen sind in einem katastrophalen Zustand. Manchmal könnte man denken, man sei offroad unterwegs. Die Landschaft jedoch herrlich, die Kurven auch! Wieder liegt der würzige Duft in der Luft. Berge hoch, runter, hoch, runter. Durch schmucke kleine Dörfer. Was man hier alles für Geschäfte antrifft, wo man das Gefühl hat hier sagen sich nur Fuchs und Hase gute Nacht. Bei La Spezia halten wir auf einer Aussichtsplattform bei der man die ganze Stadt und das riesige Hafenbecken überblicken kann.

Hier standen wir 2016 schon einmal, im Regen. Heute ist uns das Wetter wohlgesonnen. Ich selbst mag mich nicht mehr erinnern, so dass mir Peter erzählt, hier standen wir schon und das Strassenstück das folgt, fuhren wir schon einmal. Beim P von Manarola kam mir dann auch wieder die Erinnerung. Die Mopeds durften wir kostenlos am Strassenrand abstellen. Wir haben extra Kleider und Schuhe eingepackt, damit wir uns umziehen können und nicht den ganzen Tag in den Mopedklamotten herumgehen müssen. Also ich. ;). Erst gings den Fussweg nach unten. Manarola ist auf einen Felsvorsprung gebaut, also nur immer nach unten. Wir mögen gar nicht daran denken, dass wir das auch wieder hoch müssen. Es sind doch einige Höhenmeter zu überwinden. 804 Meter auf gefühlt kurzer Strecke. Wikipedia: Möglicherweise ist Manarola der älteste Ort der Cinque Terre, da die Grundsteinlegung der Kirche San Lorenzo auf das Jahr 1160 datiert ist. Zitat Ende. Faszinierend von oben beim Kirchplatz über die Stadt zu sehen. Die Häuser scheinen wie aufeinander gebaut. Genau so faszinierend ist der Blick auf die andere Seite. In die Rebhänge. Hier wurden von Hand die ganzen Steine zu Mauern aufgeschichtet, um den ganzen Hang in kleine, schmale Terassen zu bauen. Wir sehen Menschen durch den Hang laufen. Herrjeh… ob wir für den Aussichtspunkt auch noch da hochkraxeln müssen? Mir läuft der Schweiss nur schon beim Gedanken daran. Unterhalb des Kirchplatzes liegt eine kleine Lokalität, in die kehren wir ein. Peter isst ein wunderbares Carpaccio und ich eine Holzplatte mit div. Bruschettas. Beides liebevoll angerichtet, so dass auch das Auge mitessen kann.

Eine Gaumenfreude. Gestärkt laufen wir die steile Strasse weiter hinunter durch die bunten Häuser. Kleinste Seitengässchen sind sichtbar. Wir fragen uns, wie hier Möbel hindurchgetragen werden konnten.

Die Bucht lädt Wasserratten zum Baden ein. Hier gibts Wellenbad umsonst. Und, was für eine Erleichterung! Hier unten ist der auf google maps gesehene Weg zum Fotopoint! Wir müssen nicht die Hänge hochkraxeln. Wir müssen uns nur durch die Touristenmassen durchboxen. Hier gibts die berühmten Touristenfotos. Wir dürfen einige Handys in die Hand nehmen, um Bilder von fremden Menschen zu schiessen. Eine Verdienstlücke :). Für unser gewolltes Bild müssen wir warten, warten, warten. Die Wärme macht mich müde, so dass ich mit den Augendeckeln zu kämpfen habe. Peter möchte das Bild der Stadt in der weichen Abendsonne haben, wenn sie die Häuser anstrahlt. Bald ist es soweit. Was macht denn die Sonne da? Sie versteckt sich hinter den Wolken. Oh Mann!


Geduld, Geduld, Geduld, sie kommt wieder, sagt Peter. Ich glaube nicht daran, wenn ich so den Wolkenverlauf im Zusammenhang mit der Windrichtung beobachte und sollte Recht behalten. Trotzdem gelingen ein paar Bilder. Die Erinnerung wird auch da sein. Nun heisst es wieder nach oben, zu den Motorrädern. Was für ein Glück, der Bus nimmt uns mit! Durch die steilen Strassen, kann er nur im 1. Gang hochfahren. Ein paar Meter vor unseren Motorrädern lässt uns der Chauffeur aussteigen. Da es schon einzudunkeln beginnt, beschliessen wir uns über die Autostrada nach Sestri Levante zu fahren und dort wieder durch die Tunnels (ehemals als Eisenbahnstrecke gedacht) zum Camping zu fahren. Wir haben Glück und müssen nur ca. 10 Min. auf die Grünphase warten. Zum Essen laufen wir wieder nach Moniglia vor.

Die Abendstimmung über dem Meer ist fantastisch. Nur die Kamera ist nicht dabei. Dann muss Peters Handy mal zeigen was es kann. Die Bilder sind sehenswert. Das Essen fantastisch. Kaninchen a la Cinque Terre und Roastbeef. Müde und zufrieden sinken wir in die Luftmatratze.

Mittwoch, 30. August
Da es gestern nach Mitternacht ins Bett ging, schliefen wir heute umso länger. Irgendwann entschieden wir uns, nicht auszufliegen. Der Plan war, an den Strand zum baden zu gehen. Als es Zeit dazu wurde, begann es leicht zu regnen. Also Planänderung. Wir sind noch müde von den Arbeitswochen zuvor, so dass wir uns einen 2. Ruhetag gönnen. Nach dem Frühstück, welches bald schon zu einem Mittagessen mutierte, hiess es ersteinmal Tagebuch schreiben, solange die Gedanken fürs Detail noch da sind. Die bereits geschossenen Fotos wollen ja auch noch heruntergeladen und begutachtet werden. Bald schon plagt uns der Hunger, es ist ja auch schon nach 14.00 Uhr. Also Spaghetti kochen. Den Restrotwein von Sardinien dazu geniessen und nochmals ein Nickerchen einlegen. Dies entpuppt sich dann als ca 2 Stundenschlaf. Am Tagebuch weiter schreiben, Fotos sollen ja auch noch dazu bearbeitet und hochgeladen werden. Der weitere Plan steht ja, wir wollen Nachtbilder schiessen. Eine der Möglichkeiten, solange der hellere Teil der Milchstrasse noch oberhalb des Horizontes erscheint. Mal gucken, was wir vor die Linse bekommen.

Donnerstag, 31. August
Die Bilder der Nacht sind so, wie es das Vollmondlicht nur irgendwie zuliess. Milchstrasse war natürlich bei dieser Helligkeit nahezu gar nicht abzulichten. Dafür gab’s schönes blaues und kaltes Licht mit jeder Menge UV-Reflektion.

Nach dem Aufstehen wollen wir uns Portovenere anschauen, ein vorgelagerter Stadteil von La Spezia. Als Strecke wählen wir eine ähnliche Strecke (durch den Rebberg, gefühlt wie offroad), wie nach Manarola durch die Berge, nur ab La Spezia immer am Ufer entlang. Ein sehr schönes Städtli, typisch Cinque Terre eben mit einer kleinen Burg und Kapelle auf dem Felsspitz und einer Festung auf dem Felsrücken dahinter.

Castello Doria wurde nach mehrmaligen Plünderungen der Stadt anfangs des 12.Jahrhunderts errichtet. Am Hafen kleine Lokale und schmale Gassen, die nach oben in die Stadt führen. Hier gibt es überall Läden mit leckeren Sachen aus der Region und auch das beste „Gelato artisenale“.

Dieses beste Eis der Region lassen wir uns natürlich schmecken und tatsächlich ist das eine echte Delikatesse. Auf dem Rückweg nehmen wir auch wieder die Bergstrecke und weil wir da fast völlig allein unterwegs sind, können wir das Kurvenballern richtig geniessen. Zum Abendessen im Wunschrestaurant wird Brigitte enttäuscht. Das ersehnte Risotto mit Meeresfrüchten gibt es erst ab 2Personen. Doof, dass ich das nicht vertrage und sie kann aber auf Tagliolini mit Scrimps und Krabben ausweichen und ich geniesse ein feines Filetsteak. Und wie wir da so schön sitzen und geniessen, wollen wir einfach noch ein paar Tage bleiben. Auf dem Camp fragen wir die Rezeption und siehe da, es klappt. Also bleiben wir noch. Wie wunderschön 🙂

Freitag, 1.September
Die Entspannung tut unglaublich gut, wir schlafen lang, frühstücken ausgiebig, schlummern noch etwas und gehen nachmittags in die Stadt ein wenig fürs Abendessen shoppen.

Samstag, 2.September
Peter hat eine unglaublich gute Idee, nachdem wir die Höhle des Windes verworfen haben. Die ist eindeutig zu weit entfernt. Ich möchte gerne die Altstadt von Sestri Levante angucken gehen. Hier soll es so enge Gässchen mit vielen kleinen Läden und Restis haben. Das wär doch genau das richtige für einen Samstag. Körperpflege geht heute sowieso nicht, die Hauptwasserleitung in Moneglia ist irgendwo defekt. Nur gut hat der Camping oberhalb eine kleine Zisterne, damit wenigstens die WC gespült werden können. Dann mal los. In Sestri fahren wir einfach weiter. Ich weiss nur, dass Peter nach einem Leuchtturm auf dem Google maps geguckt hat und mir unterwegs nicht verraten will, wohin es gehen soll. Mich dünkt, der Leuchtturm ist enorm weit entfernt. Wir fahren direkt an einer wahnsinnig schönen Küste entlang. So wie viele hunderte andere auch noch. Unglaublich das Chaos. Peter hat sich Portofino ausgedacht. Eine wunderbare Idee, die sich an einem Samstag als Schnapsidee entpuppt. In Portofino mussten wir auf einen Motorradparkplatz. Auf einen total überfüllten. Es hiess einfach warten, bis was frei wird. Als es dann soweit war, schnappten sich 2 Andere die freien Plätze weg. Das wär ja noch gegangen, Zeit zum warten hatten wir. Mach das mal in voller Montur bei über 30 Grad. Ich kann auf Portofino verzichten. Dann fahren wir die Küstenstrecke wieder zurück. Die muss man mal gesehen haben, besser jedoch unter der Woche. Und ja, Portofino im November, da hat es Platz ;). Direkt am Seeufer gönnen wir uns eine Leckerei und beobachten die vielen bunten Fischlis. Wie in einem Aquarium. Sestrie lassen wir in der nun herrschenden Hitze aus und fahren direkt zum Camping. Als die Sonne nicht mehr so sengte, gingen wir an den angrenzenden Strand und genossen ein Bad im Meer. Ich hab mich da mal überwunden. 🙂 und schlussendlich doch genossen. Abends gehen wir zum Mamma mia. Da wollte ich nochmals hin, in der Hoffnung, sie haben offen nach dem Wasserrohrbruch. Der Camping liegt immer noch im Trockenen. Neue Zuzüger sind am herummotzen. Dabei gibts im Meer unten Wasser genug. In der Stadt vorne herrscht reger Betrieb und wir haben Glück, den letzten noch verfügbaren Tisch zu ergattern. Wir essen nochmals eine megaleckere Pizza. Meine Thon hatte keine Tomatensauce, sondern Panna. Als Belag dann wenig Mozarella, Thon und ganz viel mild schmeckendes grünes Pesto. Pizza Spezia. Peter hat auch eine Spezialkreation. Abends setzen wir uns mit den neu kennengelernten Menschen aus D zusammen und schnattern bis das Lädeli schliesst. (Wolfgang und Sabine mit Kindern). Mit ihnen haben wir einige gemütliche Abende verbracht. :).

Sonntag, 3. September
Heute will ich unbedingt nach Moneglia. Es ist Markt. Und bereits wieder heiss. Uns läuft der Schweiss nur so herunter in dem bunten Treiben. es soll jedoch einen Käsestand geben. Da möchte ich unbedingt hin. Bei Käse kann ich einfach nicht wiederstehen. Auf dem Weg dorthin begutachten wir die div. Stände mit Gemüse, Früchten, Ramsch und Kleidung. Ein kleines Portemonnaie muss mit, damit ich die Karte und ein wenig Geld hineinverstauen kann, für die Mautstellen. So verliere ich unterwegs an so einer Stelle nicht alles und es hat Platz in der Motorradjackentasche. Der Käsestand entpuppt sich als Wurst und Käsestand. Wie lecker. Die Salamis, jung und alt, Prosciuto crudo, di Parma… Nur gut, ist unser Platz auf den Möpis begrenzt, so dass sich die Eskalation nur auf Stufe 1 begeben kann. Wir stellen uns ein feines Abendbrot zusammen. Nachmittags gehts nochmals zum Strand, ein letztes Bad im Meer! Nach dem Znacht, sitzen wir nochmals gemütlich im Resti vom Camping. Es wird Gitarre gespielt und gesungen. Herrlich, so lässts sichs leben.

Montag, 4. September
Wir müssen packen, obwohl wir noch viel länger hier bleiben möchten. Es ist einfach zu schön. Nach dem Frühstück dann alles wieder aufs Moped bringen. Wir schwitzen wie die Schweine, es ist bereits morgens drückend heiss. Die Leute staunen, was wir alles auf die Mopeds schnallen. Der Beginn ist auf der Autostrada, wir brauchen dringend Fahrtwind, kleben schon in den Kleidern fest. In Sestrie gehts wieder los mit Ticket ziehen an der Mautstelle. Nur kommt da für mich keines raus. Also ab auf die Bahn ohne, Peter wieder einholen und ihm dann vor der nächsten Mautstelle beibringen, dass ich ohne Ticket unterwegs bin. Bis zur Ausfahrt in Savona müssen wir nirgends bezahlen. Da stellen wir uns halt einfach nebeneinander und fahren gemeinsam durch den Schlagbaum. Falsch gedacht. Da kam doch gerade eine Arbeiterin von der Stelle und erklärte uns, dass wir 2 Tickets brauchen. Na dann, erklär ich ihr erst einmal warum wir nur mit einem unterwegs sind. Sie ist dann so freundlich und löst für uns über die Gegensprechanlage das Zweite. Also muss ich nicht mit einer Busse in 6 Jahren rechnen, da wir wieder einmal fotografiert wurden, beim zu Zweit ausfahren. 🙂 Kam doch vor ca 3 Wochen eine Zahlungsaufforderung für eine nicht bezahlte Maut von 2016.
Weiter fährts durch Savona und dann langsam die Berge hoch. Wir kommen nur sehr zäh voran, so dass wir nach einer Pause beschliessen, die Autostrada nochmals für 100 km zu nehmen und erst danach definitiv Überland zu fahren. Ab Torino dann komplett runter. Da beginnt auch schon nach kurzer Zeit die Kurvenstrasse, die uns bis zum auf 1037 müM liegenden Camping Gran Bosco führt. Hier sind viele Mopedfahrer unterwegs. Angekommen, müssen wir uns ersteinmal eine Standpauke anhören, da wir nicht umgebucht hatten. Peter verstand die Antwortmail nicht als Reservation. Na gut, wieder was gelernt. Die Frau an der Rezeption hat sich dann irgendwann auch wieder beruhigt. Einen Platz bekamen wir trotzdem. Was musste ich da staunen. Hier stehen alles so kaputte Motorradfahrer, Quadfahrer und Offroadfahrer herum.

Wahnsinn. Also aufgestellt und ab zum Essen. Nur gut, hat uns noch wer verraten, dass man im Resti vorne reservieren muss und sich auch gleich Brot für den nächsten Morgen bestellen kann. Um halb neun kamen wir dann an die Reihe mit Essen. Es war megalecker, das Warten hat sich gelohnt. Diese Nacht war nicht mehr so heiss, so dass wir besser schlafen konnten. Ich hatte erst noch die Befürchtung, dass es laut sein werde, da noch soviel Rambazamba war. Da habe ich mich wohl getäuscht. Es war nachts muksmäuschenstill. Ich traute mich kaum, mitten in der Nacht unsere schwächelnde Luftmatrazte nachzupumpen.

Dienstag, 5. September
Wir frühstücken spät und erkunden ein wenig das Städtchen das ca 5 km entfernt liegt. Unterzwischen schnattern wir immer mal wieder mit jemandem auf dem Camping. Es herrscht eine gute Atmosphäre. Wir waren für abends einkaufen und haben im Städtchen vorne gemütlich käfelet. Essen lecker. Es herrschte abends eine ganz eigenartige Stimmung, die Anspannung und Vorfreude auf den morgigen Tag lag greifbar in der Luft! Morgen ist der Monte Jafferau geöffnet, da werden wohl einige hochfahren. Von überall her hört man wie man fahren kann, was man beachten sollte usw. Peter schraubt noch die Lenker von Freda und Berta um, damit er mit Berta die Assietta (Grenzkammstrasse) fahren kann. Der Tankrucksack muss auch noch umgeändert werden, damit er diesen mitnehmen kann. Ich habe definitiv beschlossen, nicht mitzufahren. Es würde mich überfordern und zuviel Nerven kosten. Dies Nacht wurde kalt, der Nebel kam von den umliegenden Bergen herunter. Die Feuchtigkeit kroch gefühlt in die Knochen. Auch diese Nacht war es wieder mucksmäuschenstill auf dem Camping.

Mittwoch, 6. September
Nach dem Frühstück will Peter los. Nur verschnattern wir uns erst noch mit unseren Zeltnachbarn, so dass der Kaffee ganz kalt wurde. Um 12.00 fährt Peter dann von dannen, mit dem Versprechen, ganz und aufrecht auf dem Moped sitzend wieder zurück zu kommen. Kein Risiko einzugehen. Ich mache mir einen faulen Tag, gehe nochmals ein wenig schlafen und spät duschen, bevor ich hier die letzten Tage mal zu Buche bringe. Nun bin ich soweit fertig und gespannt, was Peter später zu erzählen und an Bildern zu zeigen hat. Naja, oben wäre ich ja schon ganz gerne, nur den Weg, den möchte ich dazu nicht fahren.

Hier mein Bericht vom Track zum Colle dell Assietta. Etliche Jahre schon im Sinn gehabt, sollte jetzt die Gelegenheit sein. Offroad-Geschichten, schöne Landschaft und geschichtliches ranken sich um Colle dell Assietta, Colle delle Finestre, Sommelier und Jafferau. Die Offroad-Komponente ist dabei die grösste, da alle genanten nur über Schotterpisten aller Schwierigkeitsgrade erreichbar sind und dies mittlerweile nicht immer. Die Auffahrt zum Jafferau ist in Sommermonaten nur Mittwochs und Samstags gestattet. Da wollen sie dann alle hoch. Ein Grund, heute genau da NICHT hoch zu fahren. Ausserdem fehlt mir für diesen Track die Erfahrung und auch die Fitness. Und ich habe nur dieses eine Moped, mit dem ich auch wieder heim will. Nicht selten hört man beim Sommelier und Jafferau auch von Materialverlust und das geht mir zu weit. Also auf zur Assietta, die landschaftlich ohnehin am schönsten sein soll.

Die Anfahrt über Sestiere bis Usseaux ist sehr einfach und schön, immer aufwärts bis knapp über Baumgrenze asphaltiert bis sich die Strada dell‘ Assietta verzweigt in Richtung Assietta und Richtung Colle delle Finestre.

Das ist beim Rifugio Pian dell’Alpe. Hier kann man auch Murmeltiere in freier Wildnis beobachten. Gut wenn man ein Fernglas oder ein 300er Teleobjektiv dabei hat 😉 Von hier geht es zum Colle dell Assietta süd-westwärts ca. 10km über Gebirgsschotter immer am Berghang entlang stetig aufwärts.

Diese Wege sind vor einigen Hundert Jahren durch Schmuggler entstanden und im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen zum Bau von Befestigungsanlagen genutzt worden. Heute ohne strategische Bedeutung sind sie ein Eldorado für Offroader, Wanderer und Naturliebhaber. Ich bin das letzte Mal in der Sahara 2018 offroad gefahren. Es heisst also für mich, bewusst meine Komfortzone zu verlassen und hinein ins Gerüttel und Gespringe. Nach ein paar 100Metern bin ich drin. Hoch den Arxxx, im Stehen hab ich den Schwerpunkt zwischen den Füssen und los geht’s. Erst im 1. dann zwischendurch auch im 2. Gang. Einmal kann ich auch in den 3., aber das wird zu sportlich, ich werde zu schnell und verliere den Grip vorne. Es gibt ausgespülte Längsrillen, da lass ich Berta hinten im 1. drehen und vorn korrigiere ich nur leicht. Die Rillen sind unproblematisch und laufen nach oben leicht aus. Bei den meisten Rechtskurven kann man ab dem Scheitelpunkt ca. 1000mtr ins Tal schauen, da muss man den Blick „um die Ecke“ haben und sich nicht vom schönen Ausblick fangen lassen. Bei etlichen Linkskurven hingegen muss man kurz den Scheitelpunkt abspeichern und den Kopf samt Oberkörper rumnehmen, sonst ist die Linie weg und das Problem da. Jeder, der offroad fährt weiss, permanenter Zug am Hinterrad ist das wichtigste. Ich freu mich, dass ich das alles wieder abrufen und umsetzen kann und habe richtig Spass daran. Der Track liegt mir, ich geniesse es. Auf geschätzt halber Strecke will ich die GoPro aufs Cockpit setzen und stelle fest, dass sie sicher im Koffer im Zelt liegt 😦 Das ist jetzt echt doof, aber egal, ich hab jetzt den Flow, mache Fotos mit der Cam und fahre weiter. Das Geklingel und Geschepper der Schottersteine an den unteren Prallblechen ist fast Musik und bei den Quergräben mit den Bodenwellen krieg ich das mit Springen immer weicher hin. Kurzer Gedanke: „Was macht das Zeugs hinten in der Box?“ Egal. Solang die zu ist, ist das ok. Links unten sehe ich eine Alp mit ein paar Kühen in der Nähe vom Weg, die werden doch nicht etwa??? Nein, die sind lieb mit mir und sicher auch froh, wenn ich schnell wieder verschwinde. Vor mir geht die Landschaft auf und ich kann den Pass sehen. noch ca. 2km und alles in einer laaaanggezogenen Linkskurve. Eher ein Bogen. Geil, ich ziehe nochmal den 2. etwas auf und höre wie der Schotter unten klingelt und seitlich weghagelt. Berta geht hinten etwas linksrechtslinks und schon komme ich näher ans Ziel. Wow, ich bin da. Berta abgestellt, Motor aus und Stille umfängt mich. Eigentlich will ich Fotos machen, aber ich setz mich erstmal einfach nur hin und geniesse. Was für ein Panorama!

Und ich beginne zu spüren, was mich die genau 10,7km gekostet haben. Fitness ist das Eine, aber das Glücksgefühl ist einfach unbezahlbar. Ich rappel mich auf, mach ein paar Fotos für mich und die Homepage. Dann fahre ich noch ein Stück auf der anderen Seite herunter und sehe den Felsen, auf den ich unbedingt hoch muss. Da trinke ich mein mitgebrachtes Ichnusa, esse Brot und Salami.

Kurz nach 15:00 entscheide ich mich für den gleichen Rückweg, weil die westliche Abfahrt Richtung Sestriere mir zu lang und Anstrengend erscheint. Ausserdem habe ich auf dem Camp von einer gesperrten Strecke dort gehört. Also wieder zurück, was für ein Gaudi! Ich muss aufpassen, dass ich nicht übertreibe, bin ganz allein auf dem Track. Hab niemanden mehr hier oben gesehen und zu dieser Zeit kommt jetzt auch keiner mehr hier hoch. Fahre den Track fast spielerisch, konzentriert aber ohne korrigieren, als wärs mein Arbeitsweg. Naja, nicht ganz so, aber doch entspannter und leichter. Ich komme bei der Alpe mit den Murmelis an und habe das Gefühl, irgendwas muss noch gehen. Der Colle delle Finestre ist offenbar nur 4 km entfernt, da könnte man doch mal gucken… Auf dem Weg nach oben eine fette Ölspur, hier hat sich ein Motor oder Getriebe verabschiedet. Riecht nach Getriebeöl. Ist aber nichts zu sehen, niemand, der Hilfe braucht. Der Finestre aus nördlicher Richtung nach oben ist schon von der Konzentration etwas anspruchsvoller. Wenn man in den Track einsteigt, ist es vorbei mit in der Landschaft rumgucken. Dann gehts ca. 10km von einer Schotterkurve in die nächste und am besten lenkt es sich mit dem Hinterrad. Profil adieu! 🙂

Die Kurven sind schön rund und machen Megaspass, wenn man den Dreh raushat und dann darf man erst oben aufhören. Zwischendrin Pause machen ist nicht. Die Kehren sind gut vom Platz, aber den braucht man und kreuzen muss man vorsichtig, funktioniert aber gut. Und man muss gefasst drauf sein, dass Schotter zu fliegen kommt, von jemand, der 2 Kurven weiter oben fährt. Wenn man von oben runterfährt, ist in den inneren Scheitelpunkten auf Felsspitzen zu achten, die können Reifenkiller sein, also nicht zu eng rumziehen. Landschaftlich ebenfalls sehr beeindruckend, man ist sehr schnell unter der Baumgrenze in sehr schönem und dichtem Wald und auch aus der Richtung Sestriere leichter über Asphalt erreichbar.

So, das war ein lang gehegter Wunsch und eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte.

Auf der Suche nach Aurora Borealis

13.1.
Ich konnte nach meiner Nachtschicht noch etwas schlafen und dann sind wir gegen 9:00 in Richtung Leipzig aufgebrochen. Brigitte konnte gut durchfahren und ich habe streckenweise als Beifahrer gedöst. Zwischen Schwabach West und Schwabach Süd war dann Schluss mit flüssigem Verkehr. Fast 4 Stunden mussten wir auf der Stelle im Stau stehen, weil sich ein Brückenspringer nicht entscheiden konnte. Dann irgendwann wurde der Stau durch die Polizei von hinten aufgelöst und wir konnten nach Umleitungen zügig bis Leipzig durchfahren. Dort erwarteten uns die Bären mit einer tollen heissen Linsensuppe. Überhaupt wurde wieder geschlemmt vom Feinsten und auch die Weihnachtsgans wurde nachgeholt. Etwas shoppen in der Keramikscheune und abends Treffen mit Freunden, so geht ein schönes Wochenende!

16.1
Auf nach Kiel! Die Fähre nach Göteborg legt 18:45 ab. Wir kommen entspannt und frühzeitig an und können so noch wichtige Dingelchen shoppen und den CheckIn erledigen. Lustiges Gespräch mit dem Zöllner wegen unserem „riesigen“ Bargeldvermögen und schon waren wir Onboard. Kabine beziehen, etwas in der Lounge happern und schon waren wir froh, im Nest zu liegen. Reise-Reise!

17.1.
Die Ankunft in Göteborg ist immer spannend, sooft man auch fährt. Zuerst der nicht sehr grosse, aber nicht minder schöne Schärengarten, die Festungsinsel Nya Elfsborg, die Hafenanlagen …

und natürlich die Durchfahrt unter der beeindruckenden Älvsborgsbron-Brücke.

Ich bin da 2015 mal darüber hin- und zurückgegangen, da ist man eine Weile unterwegs und man hat einen fantastischen Ausblick über die Stadt. Heute verweilen wir nicht, wir wollen nach Oslo. Bevor es vom Hafen auf die Strasse geht, muss Peter als Fahrer erst ins Röhrchen pusten. Bei Alkohol verstehen die Skandinavier keinen Spass. Dann gehts weiter, das Navi dreht sich im Kreis und will uns auf Strassen schicken, die es nicht mehr gibt. Dafür kennt es die neue Zufahrt zur E6 nicht, das letzte Update ist zu lange her.
In Oslo übernachten wir im Olympiatoppen. Hier werden die Stars geboren für Norwegens Sportwelt. Faszinierend, sich zu erkundigen, wie hier der Sportaufbau geschieht. Kein Wunder beissen die Norweger den Schweizern jeweils den Sieg weg! Komme mir ein wenig komisch vor, so zwischen den Durchtrainierten am nächsten Morgen zu frühstücken.

18.1.
Es schneite fast die ganze Nacht. Peter muss den Benzi befreien, damit wir weiter auf der E6 Richtung Norden düsen können. Trondheim soll unser nächstes Ziel werden. Eine Etappe von über 500 km. Durchschnittsgeschwindigkeit hier 63 kmh. Autobahn wie wir sie kennen existiert hier nicht. Öfters ist 90 angeschrieben, was jedoch auf den hiesigen Strassenverhältnissen mit unseren Reifen nicht möglich ist. Uns fehlen einfach die Spikes, um so zu fahren wie die Norweger. Nichtsdestotrotz, die Umgebung will ja auch gesehen werden.

Die vielen Km zehren und wollen einfach nicht voll werden. Die Stunden ziehen sich nur so dahin und schwupps ist es doch um 16.00 Uhr bereits zappenduster. Zu allem Elend setzt auch noch heftiger Schneefall ein, so dass ich wie ein blindes Huhn um die Fjorde fahren kann. Immer wieder geht es bergauf und bergab. Glücklicherweise in sanften Kurven. Meist erleben wir schwarz-weiss Bilder, welche jedoch auch ihren Reiz haben. Grosse Stücke des Weges empfinde ich wie im Märchen! Ein paar Fotos mit der Handykamera aus dem Auto heraus geschossen, so dass wir bildliche Erinnerungen mitnehmen können. Lange Pausen sind nicht drin, es reicht die Zeit nicht dazu. In Trondheim übernachten wir bei einer Privatperson: Mona. Sie bietet ihr Zimmer Reisenden an. Bad und Küche dürfen mitbenutzt werden. Abends laufen wir noch eine Runde und gehen essen. Wir müssen mal die eigenen Hufe bewegen. Den Kopf lüften, nicht dass ich wieder auf Kollisionskurs gehen will mit einem rückwärts fahrendem Räumfahrzeug.

19.1.
Der Tag beginnt auch heute sehr früh. Heute soll Mo i Rana unser Ziel werden. Knapp unter dem Plarkreis. Die E6 fährt sich weiter so wie die letzten beiden Tage, nur dass sie einer mittleren Überlandstrasse gleicht. Auch heute ist nicht viel Tempo angesagt. Die Strassen sind weiterhin vereist und verschneit. Die Umgebung können wir trotzdem geniessen. Aber auch heute zählen sich die Stunden und mit Einbruch der Dunkelheit setzt wieder Schneefall ein. Es wird anstrengend. Leider biegt der langsam vor uns fahrende Wagen, welcher mir ein liebgewordenes Leittier wurde, vor unserem Ziel ab, so dass wir uns selbst weitertasten müssen. Die verrücken LKW-Fahrer kennen ja mal gar nichts. Was die überholen. Ich komme mir wie eine Schnecke vor. Getreu nach dem Motto: steter Tropfen höhlt den Stein, bin ich optimistisch, dass wir irgendwann dann doch einmal ankommen werden!

In Mo i Rana wurden wir auf ein kleines, schnuckeliges Motel umgebucht. Das Bad in der Dachschräge. Ein lustiges Bild, Peter musste schräg stehend duschen und im Spiegel oberhalb des Lavabos konnte man kein Gesicht sehen, er hörte auf Bauchhöhe auf. 🙂 Hier war die Stadt die ganze Nacht taghell beleuchtet. Es herrscht keine Strommangellage. Auch in den Häusern brennt Licht und geheizt wird: elektrisch. Gedankt sei es den Atomkraftwerken. Der Schnee fällt auch diese Nacht sacht und leise.

Also keine gewünschten Nordlichter, dafür am nächsten Morgen Benzi ausgraben. Peter hat ja schon Übung damit. Ich darf von der Wärme her zugucken: Arbeiten ist schön, ich könnte stundenlang zusehn!

20.1.
Heute gehts tatsächlich Richtung Lofoten, juhuu, wir werden bald da sein. Oder so. Als erstes gilt es den Polarkreis zu überwinden. Ob es sich wieder so speziell anfühlt, wie im 2016? Die Hochebenen sind ein Traum. Irgendwann kommt einem alles ein wenig bekannt vor. Wir bewegen uns weiter auf der E6, auf einem Teilstück, das wir bereits im Sommer 2016 mit den Motorrädern gefahren sind. Hier oben findet das Radio nur noch einen Sender und der rauscht nur. Alles ist irgendwie vertraut und doch anders, durch die Jahreszeit bedingt.

Am PolarCircle-Center eine kleine Enttäuschung: er ist abgesperrt. Hier wollte ich doch meine geschenkten Norwegischen Kronen auf den Putz hauen! Na gut, halten wir halt unten im Tal an. An der Raststelle muss auch ein Foto vom neuen GS-Girl-Hoodie gemacht werden. Drinnen finde ich einen meiner heiss begehrten Trolle, der muss mit.

Habe dauernd das Gefühl, dass er sich halb kaputt lacht hinter dem Fahrersitzt aus der Tüte heraus, er erscheint so lebhaft. Ob ich wohl schon zu lange gefahren bin? Das Tal, vom Polarkreis nach unten kam mir im 2016 so verwunschen vor, so unwirklich. Heute erschien es wieder anders im weissen Kleid. Obwohl wir einige Stellen wiedererkannt haben.

Nun dann, weiter nach Bognes. Dort ist der Hafen wo die Fähre in ca 1 Stunde auf die Lofoten fährt. Es wird spät und später. Auch heute fahre ich und fahre und fahre und fahre. Irgendwie sind unsere Tagesetappen zu lang. Man bekommt das Gefühl, man sei 100 km gefahren und es sei bestimmt schon wieder 1-2 Std. vergangen. Auf den Km Stand guckend, was erst wieder 15? Der Fährhafen will und will nicht kommen. 1.5 Std später als gedacht kommen wir doch noch an und müssen gar nicht allzulange aufs Schiff warten. Es läuft gleich in den Hafen ein. Von den Lofoten werden wir nicht viel sehen heute, es schneit und ist Dunkel wie in einer Kuh um 17.45 als wir vom Schiff fahren. Es wird 20.00 Uhr werden, bis wir in Laukvik ankommen und unser Haus suchen dürfen. Auch hier Pässe hoch und runter. Nur sind die Pässe nicht so hoch wie bei uns zu Hause und nur wenig Serpentinen. Auch die engeren Kurven sind gut ausgeschildert.
Eine Einheimische hilft uns, unser Haus zu finden. Hübsch hier. Als wir das Bett sahen, fragten wir uns, wie wir da drin schlafen sollten. Doppelstöckig, unten breiter, oben für Kind. Peter wird sich nicht strecken dürfen, sonst hauts die Kante unten weg. Wir müssen nachts übereinander krabbeln beim aufstehen. Probeliegen ein Desaster. Die Latten werden uns nicht halten und drücken durch die hauchdünne Matratze durch. Also ab ins Wohnzimmer aufs Auszugsofa. So wird es gehen, wenn auch nur knapp. Wir hatten schon schlimmere Betten.
Um 22.00 Uhr rissen die Wolken ein wenig auf, so dass ein Nebelschleier mit leichtem Hauch von Grün sichtbar wurde, von Auge fast nicht auszumachen. Ich musste natürlich vom Balkon her Peter herrufen. Und was geschah da? Ich habe einen erst gar nicht gesehenen Elch erschreckt! Man, den hätte man so gut beobachten können. Schnell die Kamera herrichten und ab auf den Balkon. Knippsen was das Zeug hält. Die Kameras sehen ja die Farben besser als das menschliche Auge. So sind doch noch ein paar grüne Bilder entstanden.

Die Gopro hat nachts auch ihre Arbeit getan, so dass ein schöner Timelapse zustande kam, trotz Wolken mit ein paar leichten Nordlichtern. Ein kleiner Trost.

21.1.
Was für ein Erwachen! Am Felsen gegenüber steht ein Elch und zupft am Gebüsch essbares ab. Bei näherem Beobachten, seh ich im Gebüsch, gut getarnt ein Elchkalb. Was für ein Anblick. Nun hiess es, ganz langsam bewegen, wir wollen sie ja nicht erschrecken. In der Küche die Kamera geholt und aus dem grossen Balkonfenster geknipst. Neugierig schaut Mutter Elch in die Stube, ob wir wohl genügend Abstand halten. Gemächlich trottet sie mit ihrem Kalb am Balkon vorbei und am Haus entlang hoch. Freude herrscht.

Elche haben Schuhgrösse 40 😁
Wir spazieren heute zum Leuchtturm. Es bläst ein kalter, heftiger Wind. Gut sind wir warm eingepackt. Das Laufen wird mühselig. Die Temperaturen sind gestiegen und es hat auf den Schnee geregnet. Alles komplett vereist. Nun heisst es vorsichtig gehen.

Ein paar Bilder entstehen auf unserem Spaziergang. Ins kleine Lädeli treibt es uns aus Neugierde auch noch. Was man hier auf kleinstem Raum alles erhält. Wir werden kein Einkaufszentrum suchen gehen müssen. Um halb drei wird es dunkel. Man verliert komplett das Zeitgefühl. Halb 5 haben wir das Bedürfniss Abendbrot zu essen und schlafen zu gehen. Ein komplettes Zeitdurcheinander. Es regnet und stürmt mit bis zu 70 kmh, laut Wetter-App. Zwischendurch hat man das Gefühl, es weht das Haus weg. Sind wir doch nur ca 120 m vom Meer entfernt und das letzte Haus an dem kleinen Weg. Die Borealis-App zeigt eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Lichter. Die werden jedoch oberhalb der Regenwolke ihren Tanz aufführen, so dass wir uns heute mit dem Elcherlebnis begnügen. Die Gopro müssen wir wieder vom Balkon holen, es hat sie trotz schwerer Steinbeschwerung umgeweht. Nun dann, befragen wir das Internet, was wir die nächsten regnerischen Tage in der Umgebung unternehmen, bzw. angucken können.

23.1.
Gestern war für uns der perfekte Schlaftag. Wir brauchen sowas wie Urlaub und das war gestern. Völlig zeitlos aufgestanden und gefrühstückt bis irgendwann. Brigitte hat sich etwas aufs Sofa gelegt und nach draussen zu den tosenden Wellen geschaut, um dann wieder einzuschlafen. Ich habe ein virtuelles Netzwerk erstellt, mit dem ich die Kameras von der Küche aus steuern könnte, wenn sie denn stehen bleiben würden. Es stürmt und schüttet wie verrückt, kein Gedanke daran zu verschwenden, irgendwie eine Kamera draussen zu positionieren. Keine gescheiten Bilder zu kriegen. Wenn die Kamera nicht gerade vibriert oder gar umkippt, dann ist Wasser auf der Linse. Also bleibt es beim Trockentraining und Feineinstellungen für den E-Fall. Dann noch etwas Social-Media und Texte und Bilder für diese Seiten hochladen. Abends trinken wir Tee und Grog und gehen schön bettschwer ins Nest.
Der Sturm hat die ganze Nacht richtig getobt, jede Ritze und Ecke am Haus hat geheult und geknistert. Die haushohen Brecher am Ufer vom Balkon aus zu sehen, ist imposant. Blöderweise gibts davon kein Bild. Brigitte (Hasenfuss) dachte schon, dass das Haus mit uns fortfliegt. Ich hab nur gemeint, dass ja die Lofoten ursprünglich bekannt seien, für fliegende Häuser im Januar. 🤣

Nach ausgiebigen Frühstück sind wir nach Svolvear, dem Hauptort der Lofoten gefahren. Etwas unter die Leute mischen und bissle shopping. Ich LIEBE Biltema! Neben Schatzi, logo! Nach ca. 1:40h und fast 300 Franken leichter, hab ich immer noch das Gefühl, ich müsste da nochmal rein.
Hier kriegt man Dinge, die man in einem Festland-Baumarkt vergebens sucht. Dann noch ein paar Lebensmittel einkaufen und wieder heimwärts. Auf dem Parkplatz entdecken wir zwei kreisende Seeadler hoch über uns. Brigitte hat ihre D90 mit dem 300er sofort in der Hand und so gelingen ihr ein paar Shots gewissermassen „aus der Hüfte“.

Auf dem Heimweg lassen wir uns aber Zeit und fotografieren hier und da etwas und könnten ja… und überhaupt… Überall rinnt das Schmelzwasser zusammen, bildet Bäche und unterspült das Eis im Fjord, bis es bricht. Die Berge werden sichtbar und der Himmel reisst gelegentlich etwas auf.

Zu Hause werden die Kameras mit Weitwinkelobjektiven bestückt, denn die Vorhersagen lassen Hoffnungen aufkeimen. Brigitte geht alle 10 Minuten zum Balkon und schaut, ob das Wolkenloch grösser wird und sich verschiebt und kontrolliert natürlich, ob die Vorhersage wirklich übereinstimmt. Die kleine Cam hab ich vorsorglich mit Spanngurte am Geländer festgezurrt, da sollte nix mehr passieren. Die bleibt die ganze Nacht draussen und soll alle 20 Sekunden ein Bild schiessen. Daraus entsteht dann morgen wieder ein Zeitraffer(Timelapse), falls etwas zu erkennen ist 😀
Also dann bis morgen!

24.1.
Kein Timelapse, kein Bild, NICHTS. Tiefer konnten die Wolken nicht ziehen und Graupelschauer hat das Ganze noch verziert. Bei Tageslicht waren wieder schöne Brecher am Ufer zu sehen.

Die Ansicht ist beeindruckend, wenn man bedenkt, dass der mittige Felsen ca. 120 Meter entfernt und etwa 6 Meter hoch ist. Das Donnern der Brandung ist dann bis hier im Haus zu hören. Heute wollen wir uns Henningsvaer anschauen. Ein lauschiges Städtchen auf mehreren Inselchen verteilt und ausser seinem ruhigen nordischen Charme gibt es hier auch das wohl ungewöhnlichste Fussballstadion der nördlichen Hemisphäre.

Auf dem letzten Zipfel der Insel, wenige Meter vor dem Leuchtturm und umsäumt von Fischtrocknern haben die Fussballbegeisterten von Henningsvaer IHR Stadion errichtet. Verrückt, aber grossartig!

Auf dem Weg hin und zurück sind uns wieder ein paar Stellen mit schönen Motiven aufgefallen, die wir morgen mitnehmen werden, denn da werden wir fast die selbe Strecke noch einmal fahren und uns Geschichte und Geologie zu Gemüte führen.

In Svolvaer haben wir das Einkaufszentrum besucht und sehr angenehm Kaffee genossen, bevor es auf gefrierender Strasse wieder heimwärts ging. Ausserdem hat Brigitte endlich ihr neues Einkaufstransportmittel für winterliche Bedingungen gefunden. 😂

25.1.
Heute wird mal der Wecker gestellt. Wir haben ja gar kein Zeitgefühl mehr, in dieser fast immer gleich bleibenden Dämmerung. So knapp hell ist es nur für ca 3 Std. Also nur kurze Zeitfenster, um mit Tageslicht zu fotografieren. Auf dem Weg Richtung Svolvaer halten wir nun mal am Punto Panoramico an, um dort über die Treppen und Stege zu gehen. So können wir hinter dem Berg auf ein kleines auf einer Landzunge erbautes Dörfchen sehen.

Am äussersten Ende ist die Kirche gebaut. Über uns kreist einmal mehr ein Seeadler. Sie begrüssen uns fast täglich. Weiter geht’s Richtung Borg. Alles an Fjorden entlang auf der E10. Über riesige Brücken und unzählige Tunnels von einer Insel auf die Nächste. Überall sieht es wieder landschaftlich anders aus. Brücken und Tunnels bauen, das können die Norweger. Nicht einfach nur eine schnöde gerade Brücke, nein geschwungen soll sie sein. Die Schiffe müssen ja auch noch durch passen.

Hier in Borg steht das Wikingermuseum mit dem längsten Langhaus in ganz Europa. Es wurde nach alten Vorlagen originalgetreu nachgebaut. Faszinierend, was die Wikinger schon selbst gebaut und hergestellt haben. Glas und Schlösser mit Schlüsseln. Bauten in Erdwallen, Tische und Bänke.

Mich befremden die kurzen Betten. Meine Vorstellung von Wikingern war, grosse Menschen. Und ganz wichtig: die Helme hatten KEINE Hörner!

Ein „Wikinger“ sass am Tisch und nähte aus Kuhleder Schuhe. Er zeigte uns, wie das geht anhand seiner eigenen Schuhe, die er trug. Auf die Frage, ob dies nur für das Museum sei, antwortete er: Nein, ich trage die immer, ich besitze nur 2 Paar. Eines für Sommer, eines für Winter. Die seien so bequem und halten. Er habe sogar Krallen, um diese um die Sohle zu binden bei Eis und Schnee. Verrückt.
Nun, der Tag ist noch relativ jung, so dass wir beschliessen, eine nahe gelegene Sehenswürdigkeit angucken zu gehen. Das Dragons´s Eye am Uttakleivstrand. Kleine Strassen führen uns dorthin. Einmal um einen Berg herum, Strasse runter und durch den einspurigen Tunnel mit Gegenverkehr. Gut nur gibts Ausweichstellen. Aus dem Tunnel heraus, eine andere Welt. Wo ist der Schnee? Hier ist ja alles grün! Sandstrand begrüsst uns. Ich fühl mich im falschen Film. Nichts destotrotz, laufen wir nach dem P dem Weg entlang und suchen das Drachenauge, sowie den Drachenkopf.

Blöd nur, haben wir uns vorher nicht besser informiert über den Tidenhub. Wir waren natürlich zur Flutzeit da. Also vergebens gesucht. Jedoch viele schöne Steinformationen gesehen und einen tollen Spaziergang gemacht. Bei klarer Sicht wird hier der Sonnenuntergang herrlich sein. Nun denn. Ein andermal wieder. Für die ca 110 km zurück benötigen wir über 2 Std. auf den verschneiten, eisigen Strassen. Uns fehlen immer noch die Spikes.

26.1.
Gestern Abend rätselten wir, was wir denn heute unternehmen könnten. Vieles ist einfach zu weit weg. Naja nicht anhand Kilometerzahlen, sondern Zeit, die es braucht um anzukommen. Hier geht das nicht so flott über Autobahnen. Es ist für uns ein dahindümpeln. Nun denn, beschliessen wir einfach ins Blaue zu fahren ohne Ziel und Zeit. Wir nehmen heute die Küstenstrasse Midnattsolveien, die aus unserem Dorf herausführt. Immer der Küste entlang. Hier werden wir bestimmt mit Motiven fündig und machen einfach einen Knipsi-Tag.

Die Motive lassen auch gar nicht lange auf sich warten. Manchmal brauchen wir in den Ausweichnischen stehend Geduld, bis wieder eine Schneeschauerfront vorbeigezogen ist.

Hier ists wie im April, das Wetter macht was es will. Es ändert alle 10 Min die Meiung was es denn nun soll. Das geht von starken Schneeschauern über Graupel, Sonnenschein und kurze Regendusche bis zur grössten Windböe. Dazwischen gibt’s die kurzen Zeitfenster um zu knipsen. Schönes zu sehen gibts noch viel mehr. Um jede Kurve eine andere Landschaft. Einfach traumhaft. Man könnte gucken, gucken, gucken. Überall kann man Beiss- und Fresspuren von Elchen sehen.

Nach ca. einer Stunde drehen wir um, um wieder den gewohnten Weg zurück zu fahren, da sich ein grösserer Schneesturm anbahnt. Wir wollen bei noch einigermassen Sicht wieder zurück sein. Im kleinen Lädeli im Dorf zu Fuss noch den Einkauf erledigt. Hier gibt’s wie bei Tante Emmaladen alles zu finden. Vom Fischereibedarf über Lebensmittel zu den nötigsten Apothekensachen. Die Wolkendecke reisst nochmals auf, so das Peter optimistisch wird für den Abend. Die Vorschau für Nordlichter wäre so gegen 22.00 Uhr optimal. Ich ringe ihm das Versprechen ab, wenn’s bei uns wieder so dicht zuzieht, fahren wir ein Stück aus dem Dorf heraus. Frei nach dem Motto: wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Ich persönlich habe die Nordlichter sehen abgehakt.
Für morgen nehmen wir uns vor, nochmals nach Uttakleiv zu fahren, wenn die Tide tief ist. Die Zeit haben wir schon mal recherchiert!

27.1.
Es hätte mich gewurmt, wenn wir da nicht nochmal hingefahren wären! 10:34Uhr war die Ebbe am tiefsten Punkt, aber trotz frühem Aufstehen, sind wir erst 20 Minuten später angekommen. Das war aber kein Problem, die Flut war gerade erst leicht auflaufend und so konnten wir das „Dragon’s Eye“ in aller Ruhe bestaunen. Zuerst aber mussten wir es finden. Es gibt zwar Hinweise beim Parkplatz am Anfang des Weges, aber man muss es erlaufen und im Geröllfeld am Strand erkunden.

Krasses Gefühl, wenn man plötzlich davor steht! Wie gross es ist und diese Farben! Da ist gleich das üble Wetter vergessen. Die Felsen sind durch Algenüberzug sehr schlüpfrig und man muss guten Halt suchen.

Wind und Regen zwingen uns, bestimmte Motivwinkel zu vermeiden und die Kameras gegen zu viel Nässe zu schützen. Die vertragen schon etliches an Nässe, aber wasserdicht sind sie nicht 100%ig und Wassertropfen auf der Linse machen Bilder nicht besser. Ein tief zufriedenes Gefühl ist das, wenn man trotz widriger Bedingungen sein Ziel erreicht hat. Sicher gibt es Bilder bei besserem Wetter, ich stell mir auch Licht vom Sonnenuntergang vor. Aber Schönwetterfotos kann jeder.

Was wohl hier in Laukvik nicht mehr klappen wird, sind Bilder von der Aurora. Im Zeitraffer vom 25.1. waren Lichter im natürlich sichtbaren Bereich zu sehen, aber die Wolken… Letzte Nacht war der KP-Index noch bei 2,87, das hiesse ebenfalls im sichtbaren Bereich, aber die Wolken wollten partout nicht aufreissen. Die Cam auf dem Balkon hat ca. 12Stunden nur wechselnde Grautöne aufgezeichnet. Das ist enttäuschend, aber die Hoffnung liegt auf noch auf Kiruna. Dort herrscht mehr subarktisches Kontinentalklima, welches ruhiger und klarer ist, als das ständig bewegte Küstenklima hier an der Westküste. Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt!

28.1.
Heute ist ein Tag der Abreise-Melancholie. Wir haben lange in den Tag hinein geschlafen. Morgens gegen halb 5 waren wir noch aktiv beim Fotografieren, weil Brigitte ein Wolkenloch entdeckte (was macht sie nur nachts?). Die Ausbeute ist eher dürftig, aber wir sind froh, überhaupt etwas gesehen zu haben.

Der Rest des Tages zog sich mit Wetterkapriolen hin, die gar nicht so nach draussen locken wollten. Also dösten wir ein wenig herum und sammelten langsam unser Zeug zusammen, damit es morgen gleich losgehen kann. Ca. 480Km sind es morgen nach Kiruna und für unterwegs sind Schneefälle vorrausgesagt. Da fahren wir lieber mit Zeitpolster los.

29.1.
Die für die Strecke vorausgesagten Schneefälle beschränkten sich offenbar nur auf die Lofoten und einen kleinen Teil im Hochland. Sonst wurde das Wetter zunehmend besser und so sind dann unterwegs ein paar Fotos entstanden. Nach dem Grenzübertritt zu Schweden gab es sogar wieder ein paar Radiosender ohne Rauschen.

Die Fahrt am See Torneträsk zieht sich unglaublich. Man hat das Gefühl an einem Fjord zu fahren. Immerhin ist er mit 70Km etwa 7Km länger als der Bodensee. Von dort aus war dann auch das Lapporten zu sehen, ein sehr markantes Tal zwischen zwei Bergen. In Kiruna angekommen haben wir erst auf dem Camp Alta in unsere romantische Kota eingecheckt und sind dann auf eine Pizza bis in die Stadt gefahren.

Als wir zurück kamen, konnten wir einen schönen Halo um den hochstehenden Halbmond fotografieren. Da bedeutet natürlich, dass wir in den oberen Luftschichten Eiskristalle haben, also keine klare Sicht.

Wir haben uns entschlossen, den Wecker zu stellen und in der Nacht noch einmal draussen zu schauen, ob wir denn nun endlich das richtige Feuer sehen können. Wir hatten wieder kein Glück.

Nachtrag am 19.02.
nach etwas Nachdenken, ob ich das hier so posten sollte, aber das wollte ich loswerden!
Noch bevor wir Kiruna anfuhren, war mir die Bedeutung des Ortes bewusst. Ich kannte diesen Namen.
Kiruna klingt in deutsch wie Garzweiler2 oder Jänschwalde Ost.
Hier ist es keine Kohle- sondern eine Kupfermine.
Hier der offizielle Wiki.Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Kiruna
Man weiss ja: der westliche Teil des Ortes muss umziehen, um die Mine weiter nutzen zu können. Optimal ist Richtung Osten.
Wir haben beim Durchfahren die neuen Stadtteile gesehen. Nicht alt-nostalgisch, sondern Top-modern. Muss jeder selbst entscheiden.
Dies ist mein persönlicher Eindruck:
Wir treffen Menschen, die mit ihrer Umwelt im Reinen sind. Kein Protest, keine Greta (sie wohnt fast gleich um die Ecke!)
Kein Protest, kein Plakat, kein Mensch klebt hier auf der Strasse (das wär auch mal RICHTIG hart und würde mir bei den -25°C dann doch etwas Respekt abringen)! Alle oder die meisten leben hier von der Mine oder den Zulieferern.
Ganz normales Leben, Menschen auf den Strassen, Cafe`s, Kino, Disco, alles, was ALLE wollen!
Auch nach Einbruch der Dunkelheit (die gibts hier sehr viel!), einfaches Stadtleben wie anderswo.
Eine Pizza nehmen wir in einem PIZZA-Imbiss und werden überrascht! Auf Grossbildschirm wird uns die Schweiz vorgeführt!
Es ist toll, wie man sich hier mit der Schweiz vergleicht! Für einen Moment fühlen wir uns ganz tief zu Hause.
In Kiruna.

30.1.
Von Kiruna nach Sorsele. Heute bin ich mal Beifahrer. Ein Hasenfussbeifahrer, so dass Peter im Schnitt nur 60kmh auf der Uhr hat. Nach einer gut geschlafenen Nacht, in einem richtig grossen Bett, heute mal frischer aufgewacht. Wir ziehen früh los, damit wir nicht wieder in schwärzester Nacht unterwegs sein müssen. Lappland begrüsst uns eisig kalt mit Schnee behangenen Bäumen. Die Strassen ziehen sich kilometerweise durch die Wälder, vorbei an unzähligen Seen. Langweilig wird es nicht. Es gibt immer mal wieder etwas zu sehen. Die Farben durch das sich verändernde Licht spielen mit. Wir erblicken Fussspuren von Tieren. Hinter unserem Häuschen waren heute sogar Hasenspuren zu sehen. Die Verkehrsschilder in den Kurven und an verengten Stellen, werden Schweden gerecht. Sie sind in blau-gelb gehalten.

Muss ich natürlich gleich verewigen. Glaubt einem ja sonst keiner! Nach unglaublich gefühlt laaaanger Zeit überqueren wir den Polarkreis Richtung Süden. Es kommt mir falsch vor, macht den Nachhauseweg so real. Dafür sehen wir heute im Wald, an der Nähe des Strassenrandes Rentiere im Winterkleid. Eines ist sogar ganz in Weiss angezogen. Hier müssen wir mitten auf der Strasse anhalten! Das kann ich mir doch nicht entgehen lassen!

Die Sonne drückt sich heute wirklich durch die Wolken. Fast unglaublich. Es gibt tolle Gegenlicht Aufnahmen. Und, wir erleben unseren ersten Sonnenuntergang.

In Sorsele erst mal ein kleiner Schreck. Das Hostel ist zu, in dem wir gebucht haben. Nun dann, erst mal einkaufen und was essen. In dieser Zeit kommen die Anweisungen, welche Erleichterung. Der Himmel ist klar, der KP Wert so tief, dass wir auch heute (letzte Chance für dieses Jahr) keine Nordlichter sehen werden. Da fahren wir halt mal Sternlis knipsen. 🙂

31.1.
Heute war nur fahren, fahren und fahren angesagt. insgesamt 640km sollten es werden bis Orsa. Da blieb nur Zeit für ein paar Fotos am Strassenrand, ein paar Birkhühnern in den Bäumen und immer wieder Sonne und Schnee.

Am Abend sind wir im wunderscönen, alten Haus Trunnagarden in Orsa angekommen. Ein Charme von altem Landhaus weht hier, diese tollen Zimmer, diese unglaublich schönen Kachelöfen… einfach alles.

Morgen geht’s nach Göteborg auf die Fähre nach Kiel und dann nach Leipzig. Dort werden wie immer zwei Geburtstage gefeiert. Und Montag… ja Montag ist der schöne Urlaub vorbei. bis zum nächsten Mal.